Freitag, 31. August 2012

Exkursion nach Kroatien Teil 3

Tag 2: Entdeckereuphorien
5:00 Uhr morgens weckte mich meine Blase. Notgedrungen machte ich mich auf den Weg zur öffentlichen Toilette, ich wollte niemanden aus den Containern wecken. Jemand hatte über Nacht das Licht komplett angelassen und so hatten sich dort nun um die mehrere tausend Tierchen versammelt, denen ich liebevoll den Namen “Scheißhausmotte” oder auf lateinisch Merdadomus blattacus gab. In Wirklichkeit war es wohl nur eine Sorte Wachsmotten, leider kam ich nicht dazu die Viecher zu fotographieren und/oder zu bestimmen. Irgendwie kam ich nicht auf die Idee, die Kamera mit aufs Klo zu nehmen.
Jedenfalls ging ich unter der Türschwelle hindurch und vor mir hob ein Schwarm von diesen Viechern ab und flog kopflos gegen die Deckenlampe, mehrere Male. Es klackerte dementsprechend. Ich sah vom Eingang aus, dass die Population sich auch großzügig in den drei Klokabinen breit gemacht hatte. Mein Ekelsinn verbat es mir, weiterzugehen. Aber meine Blase und der Umstand, dass man als Biologe diesen Ekelsinn irgendwann lernt zu umgehen, ermöglichten es mir, mein Lieblingsklo zu betreten und zu benutzen. Die Scheißhausmotten beobachteten mich, irgendwo im Eck hockte eine Stechmücke. Aber sie blieben brav an den Wänden sitzen und nicht auf mir, nur ganz oben schwirrten ein paar Exemplare um das Licht. Beim Hinausgehen schaltete ich das Licht in meinem Lieblingsklo in weiser Voraussicht ab und ging zurück zum Zelt um noch eine Stunde weiter zu schlafen.
Tobi und ich waren an diesem Tag Aufdeckdienst aber ich machte fast alles alleine, da Tobi… verhindert war. So ganz alleine versemmelte ich es ein wenig, die Wegzehrung alias das Mittagessen zu verpacken. Irgendwann waren endlich alle fertig und alles was wir brauchten in den Autos. Wir fuhren los zum Strand an der Cisterna.
Cisternastrand
Bevor wir uns tatsächlich an den Strand bewegten, bewegten wir uns zuerst zum Namensgeber: Hier steht nämlich ein alter, römischer Wasserspeicher, immernoch daran erkennbar, dass erstens Wasser darin ist und er zweitens aus charakteristischem Römerbeton gebaut ist. Es folgte ein interessanter Exkurs in die ziemlich verwickelte Geschichte Istriens und seiner Besatzer. Kurz und knackig kann man sagen, dass dieser hübsche Landstrich in den letzten zwei bis dreitausend Jahren so ziemlich jedem Mal gehört hat, wer mehr darüber wissen will, sehe sich hier um. Nebenbei erwähnt ging es hier u.a. in den zwei Weltkriegen, was Minderheitenschikanierung und Völkermorde angeht, auch ganz schön rund. Denselbigen Zankereien ist es auch zu verdanken, wie die Gegend hier derzeit aussieht, da sich teilweise immernoch drum gestritten wird, wem nun was gehört: Verlassene Ölplantagen, teilweise noch von den Römern gegründet, zwischen den Olivenbäumen wilde, artenreiche Wiesen und hier und da zurückkehrendes, wildes Gebüsch. Der Fachmann sagt zu dieser Gegend je nach Ausprägung Macchie oder Garigue.
Am Ende dieses Vortrags gingen wir noch mit dem Kescher durch das von Wasserlinsen bedeckte Wasser. Denen verdankte die Zisterne wohl, dass sie auch nach drei Monaten völliger Trockenheit noch nicht ausgetrocknet war. Auf anderen Exkursionen hatte man hier schon Ringelnattern und Fische herausgezogen. Wir fanden die Larve einer Waffenfliege.
Waffenfliegenlarve mit Wasserlinsen
Unsere Exkursionsleiter verabschiedeten sich nun zwischenzeitlich von uns, sie mussten noch einige Dinge erledigen wie z.B. einkaufen und noch einmal die Vorhaben der nächsten Tage vor Ort klar machen. Wir sollten solange die Bucht erkunden, damit später effektiv Sammelmaterial in unsere Behältnisse wandern konnte. Gesagt, getan. Teile der Gruppe machten sogar regelrechte Führungen miteinander.
Die Bucht konnte man grob in 3 Lebensräume einteilen:
1. Steiniger Untergrund mit Algenbewuchs, vorkommend bis 10m um die Ufer herum
2. Sandboden, etwa in der Mitte der Bucht
3. Sandboden mit Seegraswiese
Auf dem steinigen Untergrund wuchsen diverse Algen, drei davon habe ich in einem Bild zusammengefasst:
Algen
Bei Nummer 1 handelt es sich um die Pfennigalge Halimeda tuna. Wie die Farbe verrät, gehört sie zu den Grünalgen und charakteristisch für sie sind diese rundlichen, abgeflachten Blattkörper. (Bild aus Wikipedia). Eine weitere dort wachsende Grünalge ist die Seetraube Valonia utricularis, die ein bisschen so aussieht wie ein kleiner, grüner, mit Wasser aufgeblasener Luftballon.
Nummer 2&3 gehören zu den Braunalgen. 2 heißt Trichteralge Padina pavonica zeichnet sich dadurch aus, dass sie unter Wasser aussieht, wie kleine weiß bis hellbraune Fächerchen. Bei 3 handelt es sich um eine Art aus der schwer bestimmbaren Gattung Cystoseira. Sie wächst wie auf dem Bild am liebsten in Büscheln von rötlich-brauner Farbe (oder weiß wenn abgestorben) und hat einen leicht gabeligen, knorpeligen Wuchs. Und sie fühlt sich recht kuschelig an ;)
Das tierische Angebot reichte hier von diversen Einsiedlerkrebsen in ihren Häuschen, Porzellankrabben und den charakteristischen Fischsorten in Richtung Brassen, Grundeln und Schleimfische bis hin zu Goldschwamm und Schwarzschwammarten. Außerdem gab es hier natürlich wieder diverse Anemonen, einschließlich der Pferdeaktinie. Auch die Wachsrose Anemone sulcata war hier anzutreffen, mit der wir später noch engere Bekanntschaft machen würden.
Auf dem reinen Sandboden wuchsen aus dem Reich der Pflanzen nichts erkennbares, dafür tummelten sich am Boden u.a. das giftige Petermännchen Trachinus draco, Seezungen und Schollen sowie die große, geschützte Steckmuschel Pinna nobilis, für die man mindestens 40.000€ Strafe bezahlen muss, wenn man auch nur bei dem Versuch, sie mitzunehmen, erwischt wird.
Schließlich beherbergten die Seegraswiesen aus Tanggras (die zu dieser Jahreszeit recht welk wirkten) recht wenig. Eventuell habe ich den Pfauenfederwurm Sabella pavonina am Rand einer der Wiesen entdeckt. Inmitten einer anderen wuchs eine recht große Wachsrose. Direkt daneben lag ein seltsamer, leuchtend oranger Klumpen mit delligen Strukturen darauf. Noch nicht so geübt im Tiefentauchen, es war schon mindestens drei Meter tief dort, kam ich nicht so recht ran. Mir glückte, es wenigstens kurz anzufassen. Es fühlte sich weich genug an, dass ich ausschließen konnte, dass es sich nur um einen hübschen Stein handelte.
Als wir bei der Rückkehr unserer Exkursionsleiter anfingen, unser Funde so gut wie möglich an Land zu bringen, setzte ich Tobi auf den orangen Klumpen an, der ihn auch erfolgreich hervorholte. Als wir uns das seltsame Ding, dass direkt vor der Brille doch erheblich kleiner ausfiel als von oben abgeschätzt, genauer ansahen, hatten wir ein ziemliches Heureka-Erlebnis: Wir hatten da nicht etwa nur etwas Schwamm- oder Seescheidenartiges mitgebracht. An dem orangen Scheibchen hing auch noch jemand dran:
Wollkrabbe mit Seescheide
Ich stelle vor: Die Wollkrabbe Dromus personata mit der Kegelförmigen Seescheidenkolonie Aplidium conicum – wobei die Krabbe ihren unfreiwilligen Kumpel eher auf eine gewölbte Scheibe zurechgeschnitzt hatte. Die Scheren, die sie dazu benutzt, gehören übrigens im Verhältnis zu ihrer Größe zu den stärksten unter den Crustacea. Die eher einseitige Symbiose dient der Krabbe vor allem als Tarnung. Die Seescheide selbst bekommt als Entschädigung, dass sie so in ihrer Wachstumsfreiheit eingeschränkt wird, zumindest ab und zu mal einen Ortswechsel und somit mehr Nahrung. Wie man auf dem Bild ein wenig erkennen kann, wird die Seescheide mit einem Hinterbeinchenpaar festgehalten und es war auch nicht so einfach, ihr die Seescheide abzunehmen. Umso schneller setzte sie sie sich dafür wieder auf.

Wir fanden noch das ein oder andere interessante Stück, unter anderem zum Beispiel eine kleine, sehr agile Seegurke, von der Tobi ein schönes Video gemacht hat (normalerweise liegen Seegurken total bewegungslos am Boden herum):
Außerdem fand ich noch einen Einsiedlerkrebs, den bisher keiner der Teilnehmer jemals gesehen hatte und der auch nicht in unserem Bilderbestimmungsbuch erwähnt war. Am häufigsten hatten wir bisher den Felsküsten-Einsiedler Clibnarius erythropus aufgefunden, ein lustiger Geselle mit kontrastreicher braun-roter Färbung. Dieser Einsiedler hier war jedoch weiß-schwarz gestreift und viel aggressiver als der Felsküsten-Einsiedler. Außerdem lebte er in einem ganz untypischen Schneckenhaus. Leider kamen wir nicht dazu, ihn genauer zu bestimmen, aber dem Experten widme ich hier unser einziges Bild von ihm (ich war leider nicht das Kamerakind).
der weie Einsiedler
Nachdem die Funde, die wir in den Tagen darauf noch in den extra angemieteten Labors genauer beobachten wollten, entsprechend versorgt waren, begaben wir uns noch auf die Wiese. All unsere Veteranen kannten diese nur als saftig grünes, leicht stacheliges Naturparadies. Die lange Trockenheit aber hatte dieselbige Wiese in eine trockene, sehr sehr stachelig-dornige, kaum Schatten bietende Hölle verwandelt. Hauptsächlich Heuschrecken, Mantiden und Spinnen und auch ein paar Schmetterlinge hielten es hier noch aus. Unter den Spinnen befand sich u.a. die eindrucksvolle, mittlerweile auch in Deutschland heimische Wespenspinne Argiope bruennichi.
Wespenspinne
Dies war noch ein recht kleines Exemplar. Ausgewachsene Weibchen können allerdings eine Körperlänge (also ohne Beine) von bis zu 2,5cm erreichen. Wer Angst vor Spinnen hat, bricht also in hellste Panik aus, sollte er mal ein Exemplar davon in seinem Garten entdecken. Bei mir zuhause haben wir jedenfalls auch schon ein Exemplar entdeckt, die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios lässt sich also nicht zu gering einschätzen.
Damit dieser Blog nicht alle Nähte sprengt, schließe ich jetzt mit der Information, dass es zu Abend einen schönen, saftigen, kalten Salat gab mit den üblichen Beilagen und anschließend bei etwas kaltem Wind den zuvor vertagten Einstiegsvortrag unseres Exkursionsleiters.
Morgen geht es weiter in Pula, vllt auch schon Rovinj.
Hier gehts zum Anfang des Reiseberichts!

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Donnerstag, 30. August 2012

Exkursion nach Kroatien Teil 2

Tag 1: Erste Entdeckungen
Nach einer halbwegs angenehmen Nacht – die mitgebrachte Schaumstoffmatratze war doch nicht ganz so ausreichend wie gedacht – erblickte ich auf dem Weg nach draußen in unserem Vorzelt einen hübschen kleinen Besucher. Tobi war gerade zur Toilette aufgebrochen, so dass es an mir war, diesen zu dokumentieren. Ich schnappte mir die Spiegelreflex und schoss das schönste Foto damit, dass ich bisher hinbekommen habe:
Warzenbeisser
Zwei Tage später begegnete uns dieser hübsche Geselle noch einmal im Auto. Genau derselbe, denn wie man auf dem zweiten Blick erkennt, fehlt ihm ein Sprungbein. Unser Arthropodenexperte bestimmte ihn uns als “Warzenbeisser”. Den Namen hat er sich durch den Umstand verdient, dass er sehr kräftige Mundwerkzeuge hat. Früher, vielleicht noch heute, wurde er daher dazu missbraucht, Dellwarzen von den Betroffenen abzuzwicken. Ich habe im Moment auch so eine, kam aber nicht dazu, unseren kleinen Kerl um diesen Gefallen zu bieten. Genaugenommen tat er mir auch so schon leid, fünfbeinig wie er war.
Anschließend gab es das erste Frühstück. Kroatische Teilchen, Weißbrot in verschiedenen Formen – als Rupfsemmeln oder Scheiben – Butter, Marmelade und verschiedene ausgezeichete Wurst- und Käsesorten. Hatte unsere Exkursionsleiterin sehr gut eingekauft. Der Kaffee war pünktlich aber noch zu schwach. Ich als Kaffeeverweigerer begnügte mich mit Milch. Nach einer Lagebesprechung ging es das erste Mal runter ans Meer, etwa 1-2min Laufstrecke trennte uns davon, vom Balkon konnten wir über die Zelte und Caravans anderer Gäste zum Ufer hinuntersehen.
Als ich das letzte Mal in Kroatien war, ungefähr 13 oder 14 Jahre alt, hatte ich das Meer grundsätzlich schon einmal mit einem Schnorchelset besucht. Dieses muss allerdings von minderer Qualität gewesen sein, denn irgendwie kann ich mich nicht erinnern, das getan zu haben, was man unter Schnorcheln versteht: Der Schnorchel lief meiner Erinnerung nach ständig voll mit Wasser, weswegen ich die meiste Zeit eher an der Oberfläche tauchte oder andernfalls viel Salzwasser schluckte. Mit Flossen war ich dagegen glaube ich generell nie im Meer, die Flossen, die wir auf Mallorca dabei hatten waren mir entweder zu groß oder zu klein. Diesesmal hatte ich jedenfalls für 64€ insgesamt eine sehr gute Komplettausrüstung mit einem gutem Schnorchel, einer ausgezeichnet sitzenden Brille und harten Flossen gekauft, die nun ihren Premiereinsatz hatten. Ebenfalls dabei waren, für Tobi und mich, die Taucherschuhe, die wir schon damals vor 10 Jahren in Kroatien gekauft hatten. Was Seeigel betrifft, wären diese für den “Strand” unseres Campingplatzes nicht unbedingt nötig gewesen, diese tummelten sich hier mehrheitlich in 3m Tiefe. Allerdings handelte es sich bei diesem Strand auf die größte Fläche um ein Musterbeispiel der Istrischen Küste: besonders die Einstiege bestanden größten Teils aus scharfkantigen bis spitzen Felsen (aus Dolomit ^^), teilweise von Algen und sonstigem Kleingetier so glitschig bewachsen, dass es uns ähnlich erging wie auf dem Helogoländer Felswatt bei Ebbe.
Eindruck von unseren "Strandverhltnissen"
Wer schon einmal mit Flossen umhergewatschelt ist, kann sich vorstellen, dass es also nicht einfach war, bei solcherlei Umständen vorwärts zu kommen. Tobi hatte sich die Flossen unseres Exkursionleiters ausgeborgt, die groß genug waren, dass er mit den Tauchschuhe hineinschlüpfen konnte. Er ging also mit den Schuhe bis zu einem geeigneten Sitzfelsen, von wo er ins Wasser rutschen konnte, zog sich die Flossen über und ab die Post. Ich ahmte dies ganz menschlich nach, musste aber die Schwimmschuhe zurücklassen und da ich nicht wie Tobi eine lange Badehose anhatte sondern einen Bikini; holte ich mir den ein oder anderen unangenehmen Kratzer am Hinterteil (die noch etwa zwei Tage zum Heilen brauchten). Meine Taucherbrille hatte ich ganz gut vorbereitet, sie lief nur dieses eine Mal auf nervige Weise an. Das Wasser jedenfalls war wirklich glasklar und, wie wir später noch herausfanden, die Meeresflora und  -fauna hier eine der reichhaltigsten. Am ersten Tag war ich aber noch zu unerfahren, um wirklich alles zu entdecken. Die einzige Fischart, die mir so gut auffiel, dass ich sie hinterher im Bilderbestimmungsbuch zweifelsfrei wiedererkannte war die Goldstrieme Sarpa salpa, ein Vertreter der Meerbrassen, die gleichzeitig hier die am häufigsten vertretenen Fischfamilie ist. Ein paar Mal waren wir auch noch bei Dämmerung Schnorcheln, wobei ich entdeckte, dass die Goldstriemen dann vor dem beigen Hintergrund aus Algen ganz transparent erscheinen.
Aus Wikipedia
Das einzige weitere Lebewesen, dass ich auf Anhieb wiedererkannt habe – da wir noch keine Kescher und Eimer o.ä. dabei hatten hatte ich nur meine Gedächtnis zum Arbeiten – war die Pferdeaktinie Actinia equina, eine Seeanemone und damit Nesseltier. Noch furchtlos fasste ich sie an. Und… nichts passierte.
Quelle: Wikipedia
Denn anders als auf dem Bild waren sämtliche Pferdeaktinien die ich entdeckte komplett eingezogen. Glücklicherweise war sie in dieser eingezogenen Form auch in unserem Buch abgebildet, davon abgesehen dass Tobi nach meiner Beschreibung sofort wusste, was ich meinte. Wir waren fast jeden Tag Schnorcheln aber ich habe sie nie offen gesehen, und wenn, habe ich sie wahrscheinlich aufgrund des Unterschiedes nicht erkannt. Von einer offensichtlichen Anemone mit in der Strömung tanzenden Tentakeln zu einem knallroten, weichen Knubbel braucht es doch etwas Phantasie. Und die Dinger waren wirklich leuchtend knallrot, nicht so bräunlich wie auf dem Bild. Höchstens wenns sie schon halbtot waren. (Ich habe nachträglich noch ein selbstgemachtes Bild einer eingezogenen Pferdeaktinie gefunden, es befindet sich jetzt unten im Fotoalbum)
Irgendwann hatte ich mich sattgeschnorchelt. Was schon ein gutes Stück länger dauerte als beim Rest – von Tobi abgesehen – denn ich hatte irgendwie nicht das Problem, dass mir vom schnorcheln schlecht wurde, dafür aber unerwartet viel Schwimmausdauer. Beim Aufwärmen auf den Felsen betrachtete ich mir die Botanik und die Fundstücke der anderen Exkursionsteilnehmer und machte meine ersten Aufzeichnungen ins Exkursionstagebuch. Um diesen Blog nicht zu sprengen oder die anderen zu kurz kommen zu lassen, werde ich aber hier nicht näher darauf eingehen. Was die Botanik betrifft, erwähne ich nur einmal ganz rätselhaft, dass wir organische Verbindungen auf den Felsen entdeckten:
Hmm welche Verbindung könnte das sein?
Ich weiß nicht mehr, was eigentlich abends vorgesehen war, aber, schätzungsweise aufgrund der Hitze, fiel ein Großteil davon aus. Wir begaben uns lediglich ein weiteres Mal hinunter zum Meer, dieses Mal mit mehr zum Bestimmen hilfreicher Ausrüstung. Im Meer selbst sowie in den Gezeitentümpeln zwischen den Felsen fanden wir dann auch eine gute Auswahl an Meerestieren und Algen für unser Abendprogramm, das darin bestand, diese ersten Charakterarten zu bestimmen. Einen Teil entließen wir danach ins Meer, den anderen Teil versorgten wir so, dass er es unter unserer Veranda noch ein wenig unsere Beobachtungen aushalten können sollte.
Abends gab es ein ganz tolles Chilli vom ersten Kochtrupp. Die Hauptköchin war niedlicherweise total verzweifelt, weil sie scharfe Rosenpaprika für normale, süße Paprika gehalten hatte und das Chilli daher recht scharf geraten war. Für die meisten von uns war das aber noch nicht einmal scharf genug bis gerade richtig ;). Anschließend wurde ein wenig auf einen erfolgreiche Exkursion angestoßen. Ich allerdings beschloss aufgrund des früheren Termins zum Frühstück, mich früher ins Bett zu begeben.
Hiermit endet mein zweiter Blog zu meinem Reisetagebuch. Ich hoffe, er hat dir gefallen und mit etwas Glück kommt morgen schon die nächste Fortsetzung. Zumindest habe ich noch sehr viel Stoff dafür.
Mittendrin reingeschneit? Hier gibts den letzten Teil!

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Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl 

Exkursion nach Kroatien Teil 1

Die letzten elf Tage habe ich außer Landes im schönen Istrien verbracht. Nicht zu jedermanns Begeisterung war hier, wie damals auch auf Helgoland, eine Art Entdeckungstagebuch zu führen. In Anlehnung auf meine/unsere Aufzeichnungen und Aufnahmen will ich hier also meine Reiseeindrücke mit Euch teilen und hoffe, dass Ihr genauso Spaß daran haben werdet wie ich, Tobi und der Rest ihn hatten :)
Tag 0: Die Anreise
Etwa eine Stunde nach der vereinbarten Abreise um 7 Uhr ging es los. Da die Sommerferien ja immernoch anhalten und es zudem noch Samstag war, einem der Hauptanreise- und –abreisetage ging es auf der Autobahn ziemlich rund. Bis wir endlich Deutschland verlassen hatten, besonders um München herum, dauerte es schon ein gutes Weilchen. Ich glaube wir waren erst um Mittag herum auf österreichischem Boden.  Bis zum Tauerntunnel kamen wir dort aber wieder gut vorwärts. Am Tunnel selbst wurde man allerdings aufgrund einer Panne am anderen Ende nur etappenweise abgefertigt, so dass wir eine gute halbe Stunde Zeit hatten, uns die Umgebung genauer anzusehen. Da ich damals, als die große Katastrophe im Tauerntunnel geschah, in dem Superstau davor mit meiner Familie stand, weckte dies wohlige Erinnerungen an den alljährlichen, zu Pfingsten stattfindenden Campingurlaub bis etwa zu meinem 14. Lebensjahr.
Die Pannenmeldung vor dem Tauerntunnel
Danach ging es wieder gut voran, wir verhöhnten geradezu die armen Leute, die auf der Gegenspur noch vor dem Karawankentunnel in einem geschätzte 10km langen Stau standen. Aber das Karma schlug kurz darauf zurück, als wir selbst uns vor der kroatischen Grenzen auch in einem Stau wiederfanden, der uns immerhin eine dreiviertel Stunde nicht mehr vorankommen ließ. Aus irgendeinem Grund erkor uns eine Dame auf der Straße dazu aus, dass wir ihr ein Handy leihen sollten, damit sie bei ihrer Ferienhausverwaltung anrufen könnte. Hilfsbereit lieh einer unserer Gefährten ihr also sein Mobiltelefon. Als Entschädigung bekamen wir einen fast leeren Beutel mit ziemlich ekelhaften Gummigedöns. Wie erst später klar wurde, vertelefonierte die werte Dame in Not von dem deutschen Handy aus Slowenien nach Kroatien ganze 20€ in wenigen Minuten. Ob die seltsamen Gummibärchen denselben Wert hatten, wagt der gesunde Menschenverstand zu bezweifeln, ebenso, ob die gute Frau wirklich kein eigenes Handy hatte oder ob sie sich Geld sparen wollte.
Ausblick von der Brcke vor dem Tauerntunnel
Ohne durch eine Kontrolle zu müssen, was nach Angaben der Kroatien-Veteranen garnicht so üblich ist, kamen wir schließlich über die Grenze und fuhren bald mit der Notreserve weiter bis Bale zu unserem Campingplatz “Colone”. Dort wusste man zuerst einmal nichts von 2 Containern für 11 Personen und ein Zelt. Nach eindringlichen Gesprächen wurde uns aber dann doch noch unsere Plätze zu- und uns mitgeteilt, dass wir zwischendurch einmal umziehen müssten. Endlich passierten wir die Schranken und fanden unser Plätzchen direkt am Toilettenkomplex.
Für Tobi und mich als die einzigen Zeltenden war dies vorteilhaft, schließlich muss man ja auch mal dringend. Außerdem waren die Toiletten und Duschen annehmbar relativ zu dem, was ich schon alles auf oben erwähnten Campingurlauben erlebt hatte – es gab regelmäßig gereinigte Sitzklos und Warmwasserduschen, was vor einigen Jahren noch richtiger Luxus war. Ich erinnere mich da z.B. an ein Toilettenhaus mit 10 Kabinen, von denen aber 8 reine Stehklos waren. Bevor aus diesem Blog ein Toilettenbewertungsblog wird, erwähne ich nurnoch, dass die Nähe zum Klo natürlich auch wieder nachteilig war, da der Wind die dort ansässigen Gerüche öfter zu uns herüberwehte. Teilweise verstärkt wurden diese dann noch durch den Umstand, dass manche Menschen offensichtlich unfähig sind, ihren Müll bereits an ihrem Platz zu entsorgen und dann mangels eines extra-Mülleimers an der Spülstation ihre Speisereste auf “unser Gelände” hinaufwarfen.
Weit genug von dort entfernt schlugen wir unser Zelt auf. Dass das in der Nähe der Container vom Planer des Campingplatzes wirklich nicht vorgesehen war, merkten wir, als wir unsere Clupeidae, zu deutsch “Heringe” in den Boden hämmerten. Die Wohncontainer waren offensichtlich auf massiven Felsschichten befestigt. So bestand die Befestigung hauptsächlich darin, dass wir unsere Schnüre an den Bäumen und Geländern der Umgebung festknoteten und nur wenige Heringe tatsächlich in den Boden schlugen, bevorzugt in die aus Tonerde bestehenden, stufigen Abhänge zwischen den Containern.
Tja, ich wollte den Anreisetag eigentlich kurz halten. Aber allem Anschein nach ist mir doch noch mehr davon im Gedächtnis geblieben. Damit dieser Blogeintrag nun nicht zu Buchlänge ausartet beende ich ihn also hier und hoffe, dass mein geneigter Leser sich auf die Fortsetzung(en) freut, die noch folgen werden. Mit mehr Bildern! Versprochen!
Hier geht es weiter!
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Samstag, 11. August 2012

Ich stand mal wieder im Wald…

Immer wenn ich nach Hause fahre schau ich mir, zumindest seit ich ausgezogen bin um Biologie zu studieren, die Gegend um unser Dorf herum an. Was die Geobotanik betrifft gibt’s bei uns jede Menge Kalkäcker und Kalkmagerrasen und den dafür recht typischen Bewuchs. Seit dem Uni-Botanik-Kurs betreibe ich regelrecht eine Bestandsaufnahme und kenne das meiste Grün- und Pilzzeug was bei uns wächst ziemlich gut. Zumindest solange es halbwegs interessant aussieht oder irgendwie nutzbar ist. Jedes Jahr finde ich auch wieder was Neues, so dass ich mittlerweile einen recht großen Fundus an Pflanzen und Pilzen habe die ich mit Namen, deutsch, lateinisch oder beides sicher erkenne.
Auch dieses Jahr habe ich bereits und will ich immer noch wieder ein paar mehr dieser sesshaften Lebewesen in meinem Hirn ein Plätzchen einräumen. Und speziell was Pilze betrifft, möchte ich auch gerne einigen ein Plätzchen in meinem Magen zuweisen. In Erlangen habe ich erste Ziegenlippen und Parasole bereits Anfang Juli entdeckt und guten Mutes bin ich also mit dem unglaublichen Tobi zusammen schon seit Wochen von mir zuhause aus in den Wald gestapft.
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Tobi vor einer der drei Dolinen in diesem Wald
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Sieht verdächtig nach einer Suhle aus

Bis auf ein paar schöne Plätzchen und Tierspuren wie z.B. skelettierte Vögel oder Wildschweinsuhlen haben wir aber im Juli nicht viel entdeckt.
Auch im August war ich nun 2-3 Mal im Wald. Ich wusste von meiner Familie, dass es die letzten Woche relativ warm aber auch sehr trocken war. Daher war ich, als es in der Nacht zu meinem Geburtstag heftig gewitterte und schüttete zuversichtlich, dass nun endlich mal etwas zu finden wäre. Also ging ich in den Wald, in dem es die letzten Jahre immer am zuverlässigsten Parasole und Maronen zu finden gab. Das einzige was ich fand war aber das:
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Der erste sah mir nachdem ich ihn nach allen Merkmalen auseinandergenommen hatte doch zu sehr nach einem giftigen Karbolchampignon aus als nach einem schmackhaften Waldchampignon. Baumschwämme mit holziger Konsistenz machen sich nicht allzu gut auf dem Speiseplan und der letzte war, verglichen mit dem Pilzbuch, entweder giftig oder zumindest ungenießbar. Nicht ein essbarer dabei.
Die nächsten Tage, die ich im Europapark verbrachte, sollte es zuhause auch recht viel geregnet haben. Rein theoretisch hätte sich der Boden also langsam einmal mit Wasser ausreichend vollgesogen haben. Also wieder ab in den Wald, dieses Mal zusammen mit meinem Vater, der zwar nicht mehr die besten Augen hat aber sich doch immer noch gut mit Pilzen auskennt.
Ich will einmal nicht so sein, es gab nicht gleich ganz nichts. Wir haben gerade genug gefunden, um ein Ein-Ei-Omelett zusammenzubekommen. Wir konnten nämlich eine ganz stattliche essbare Korallen (linkes Bild) finden, weitere 3 Minikorallen nahm ich ebenfalls mit, und zwei Minibovisten (die insgesamt aber einen Zentimeter größer waren als die Baby-Minibovisten die auch diesen Hexenring besiedelten). Aus ästhetischen Gründen und weil ich aus irgendeinem nicht belegbaren Grund glaube, dass sie selten sind, hüpfte mein Herz auch ein bisschen höher, als ich am selben Standort wie jedes Jahr wieder Erdsterne (Bild rechts) entdeckte. Leider werden die von den Fachleuten wieder als ungenießbar eingeordnet. Die essbare Koralle ist übrigens bestenfalls ein Schmuckpilz in der Pilzpfanne aufgrund ihrer kräftigen orangen Farbe, die auch bei Hitze gut erhalten bleibt. Bis auf die leicht knorpelige aber doch angenehme Konsistenz hat sie aber keinen wirklichen Eigengeschmack. Zumindest habe ich, mit meinem leicht angeschlagenen Geruchsinn kein besonderes Aroma erschmecken können..
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Auf dem Weg raus aus dem Wald und in den nächsten (der nun wirklich komplett kahl war was Pilze angeht) trafen wir dann auch noch auf einen ansässigen Biobauern, der gerade ein paar Fichten aus seinem Wald geschnitten hatte. Unglücklicherweise haben Borkenkäfer in seinem Waldstück Einzug gehalten. Netterweise zeigte er uns wie und wo der Baum befallen war und pulte einen der kleinen Parasiten aus der Rinde hinaus. Zuerst stellte er sich tot aber mit dem ersten Sonnenstrahl der in traf flog er davon, bis zu 300 Meter weit. Pro Jahr bringen diese Schädlinge 20 neue Generationen hervor und mindestens 8 davon hatten den Baum vor uns schon rundum durchlöchert. Leider bohrt er nur knapp unter die Rinde und bleibt dann in der saftführenden Schicht des Stammes anstatt sich netterweise irgendwo tiefer in die toten Teile des Baumstamms zu fressen. Solange der Befall nicht zu stark wird, kann eine befallene Fichte sich noch gut mit erhöhter Harzproduktion wehren. Ab einem gewissen Punkt trägt dieser allerdings nurnoch stärker zur langsamen Austrocknung des Nadelbaums bei.
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durchlöcherte Borke
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So siehts unten drunter aus

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Soooo klein und so eine große Wirkung

Das einzige was der Mensch tun kann, um die Fichte zu schützen ist, dass er befallene Fichten rechtzeitig aus dem Wald schneidet. Die berüchtigen Hormonfallen dienen nur als Indikator für den Waldbauern, ob er einen Befall hat und es wäre unverantwortlich und kostspielig, befallene Waldstücke aus der Luft mit Gift zu besprühen. Es bleibt also abzuwarten, wer diesen Kampf am Ende gewinnt. Die pieksige, harzige Fichte oder der kleine vermehrungsfreudige Borkenkäfer…


Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl