Dienstag, 8. Oktober 2013

Liebes Tagebuch…

Nach einer viel zu kurzen Nacht stehen ich und Tobi um sechs Uhr in Herzogenaurach auf und machen uns auf den Weg nach Fürth, wo meine sieben Sachen darauf warten, in den Twingo gepackt zu werden - darunter auch Felix und Robbie. Tobi ist dagegen, dass die beiden auf dem Armaturenbrett mitfahren. Die machen da nur Quatsch und lenken mich vom Fahren ab, sagt er. Gegen halb acht kommen wir endlich von der Stelle. Ich bin todmüde, das Wetter ist trüb und regnerisch. Die Beladung merkt man dem kleinen Auto deutlich an. Viel mehr als 120 km/h kann ich nicht wirklich fahren und wenn es bergauf geht, geht die Tempoanzeige bergab. Gegen zehn Uhr fahren ich von der Autobahn, um noch einmal für zwanzig Euro nachzutanken. Die Fahrt davor habe ich schon immer wieder mit dem Schlaf kämpfen müssen. Gerne würde ich einen Fahrerwechsel machen, aber das geht nicht. Tobis Brille ist kaputt. Etwas mehr als eine Stunde Fahrt liegt noch vor uns und irgendwie schaffe ich bis zur neuen Wohnung. IMG_6094mittlerweile hängt das PosterPapa ist schon da und quatscht mit Phillip, meinem Vormieter. Ohne Pause geht es jetzt weiter, Phillip hilft mit. Der Inhalt der Hänger und Autos muss nach oben in den vierten Stock. Am schwersten ist der Schreibtisch von meinem Großonkel. Als Papa und Tobi den nach oben geschafft haben, ist erst einmal eine Pause angesagt. Sie packen “Kiachal” aus, die Mama am Vortag ausgebacken hatte. Alle außer mir greifen zu, ich gehe wieder hinunter und schleppe ein paar mehr von meinen sieben Sachen hinauf. Irgendwann steht alles oben, das Bett ist aufgebaut. Nach einigen Diskussionen stehen auch die Regale in fester Anordnung. Phillip zeigt uns seinen Lieblingsdönerladen direkt an der Heide, dem Stadtpark von Halle. Dabei führt er uns ein wenig im Kreis herum, damit ich sehe, wo die nächsten Einkaufsmöglichkeiten sind, am Tulpenbrunnen (mit viel Phantasie als solcher erkennbar). Zurück geht es auf direkterem Weg. Es ist langsam Zeit für Papa und Tobi, wieder aufzubrechen. Ich verzweifle an der Entscheidung, ob ich Tobi Felix oder Robbie mit nach Hause geben soll. Tobi meint, Felix müsse unbedingt bei mir bleiben. Oben in meinem Zimmer voller noch gepackter Taschen verabschieden wir uns voneinander, meinerseits unter Tränen. Auch als Tobi schon weg ist, ist es schwer, die Fassung bei gewissen Gedanken zu bewahren. Ich fühle mich so alleine.
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Zur Ablenkung packe ich meinen Kram aus und dann an seinen neuen Platz. Ich habe einfach viel zu viele Klamotten. Und kaum etwas davon habe ich wirklich selbst gekauft. Mama meint es immer viel zu gut wenn sie einkaufen geht. Damit ich das ganze Zeug überhaupt unterbekomme, wird alles möglichst platzsparend zusammengerollt und in Kisten gepackt oder rigoros aussortiert. Alles, was irgendwie ein bisschen lädiert ist oder von dem ich mich nicht erinnern kann, dass ich es je mit Freude getragen habe, wandert in eine der Taschen zurück. Am Ende ist sie voll, genauso wie meine Regale. Langsam kriege ich einen Koller von der Auspackerei. Als hätte er es gerochen, erscheint Phillip an der Tür und bietet mir einen Tee an. Ich nehme das Angebot gerne an. Wir quatschen mindestens eine Stunde über Gott und die Welt, das Gefühl der Einsamkeit schwindet – mit dem bitteren Nachgeschmack, dass Phillip ja leider auch nur noch bis Dienstag hier ist. Eine weitere Stunde später ist mein Zimmer fertig, nur Poster (v.a. das, was mir meine Freunde, die ich jetzt schon so schmerzlich vermisse, bei meiner Abschiedsfeier überreicht haben) kann ich noch nicht aufhängen. An jegliche klebenden Utensilien habe ich beim Packen nicht gedacht. IMG_6096
Gegen sechs hocke ich mich zu Phillip ins Wohnzimmer, wir gucken Simpsons. Es wird aber viel weniger geguckt als gequatscht. Mit den Resten aus seinem Kühlschrank zaubert er eine Gemüsepfanne für uns zwei, dazu reicht er Likör 47 mit Milch. Während nebenbei Captain America läuft wird dieser Schlummertrunk noch zweimal nachgefüllt. Nach dem Film zappen wir ergebnislos umher, kommen auf unsere Lieblingscomiker und ich auf Louis CK. Das Programm “Chewed up” raubt Phillip vielleicht später den Schlaf, zu viel albtraumhaftes Kopfkino weiß er hervorzurufen. Ich weihe mein Bett ein. Vor dem Einschlafen spiele ich noch eine Runde Tropico.

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Dienstag, 28. Mai 2013

Wandern im Altmühltal Mai 2013

Heute war ich mit meiner Schwester Anna und unserem Hund Idefix im Altmühltal unterwegs – im Gepäck: Aldi-Minisalamis, Geschmack Chilli, Spiegelreflexcameras und Wasser für den Hund – dieses Mal aber nicht im ansprechenden Plastik-Bierflaschenkleid.

1 Wanderroute Wir starteten nach einem guten Frühstück gegen 10:00 von zuhause in Eberswang und gingen bei strahlendem Sonnenschein nach Dollnstein. Dort machten wir einen Abstecher zum Edeka, weil die Anna ihre Haare falschgefärbt hatte und eine neue Färbung kaufen wollte. Nach dem Edeka verirrten wir uns ein wenig weil sich jemand sicher war, dass es einen direkteren Weg zur Grundschule geben müsste Zwinkerndes Smiley.

Wir wissen jetzt: Nein, den gibt es nicht! Also gingen wir wieder über die Hauptbrücke zurück. Am Beginn des Altmühlpanorama-Wanderweges machten wir bei ein paar Bänken Mittagspause und setzten dann unseren Weg nach Breitenfurt fort, wo wir dann zu allererst unsere Füße im eiskalten Wasser der reißenden Altmühl abkühlten. Anschließend beehrten wir das Breitenfurter Freibad mit unserer Anwesenheit. Dieses war wegen dem schlechten Wetter der Vortage für den Badebetrieb geschlossen, aber der kleine “Biergarten” zum Kiosk war heute dennoch geöffnet, so gönnte ich mir ein Bier und der Anna ein Colaeis. Danach ging es zurück nach hause, über einen, wie ich nun über Google Maps erkannt habe, recht großen Umweg Zwinkerndes Smiley - aber so kannte ich den eben noch aus meiner Kindheit, als wir noch mit dem Fahrrad ins Schwimmbad gefahren sind (abends ließen wir uns aus Faulheit dann immer mit dem Auto wieder holen – wieder bergauf war uns zu anstrengend). Kurz vor 17:00 kamen wir wieder zuhause an und hatten um die 13 Kilometer zurückgelegt (Google berechnet uns dafür ca. 3 Stunden, aber wir sind ja auch nicht pausenlos durchgerannt).

Ich habe die Wanderroute mit ein paar Zahlen bestückt, die die markantesten Stationen unserer Wanderung markieren sollen. Daran angelehnt folgen nun einige meiner Aufnahmen, die am jeweiligen Ort entstanden sind.

Station 1 (Auf dem Weg nach Dollnstein):

Die gemeine Hundszunge riecht ganz muffig nach Maus. Woher das mit der Zunge kommt? Vielleicht fühlen sich die reich behaarten Blätter ja nass so an wie der Namensgeber?

Der Wiesensalbei ist nicht so aromatisch wie der Gartensalbei, macht sich aber auch gut in z.B. Kräuterbutter. Der Salbei ist eine sogenannte Hummelblume. Landet nämlich eine Hummel auf der Unterlippe der Blüte, so löst sie einen Hebelmechanismus aus, der ihr den langen, im Bild links gut sichtbaren, Staubfäden auf das Hinterteil drückt und somit Pollen mit auf den Weg gibt.

Canis lupus familiaris ssp. "Idefix"

Idefix vorm malerischen Örtchen Dollnstein

Spinne im Wacholder

Diese hübsche Spinne fand ich beim Wacholderbeeren pflücken. Da ich keine Tierbestimmungsbücher dabei habe, kann ich leider noch nicht sagen, was für eine Spinne das ist.

Station 1 1/2 (in Dollnstein):

Dollnstein Randale

Die beiden Bilder ober- und unterhalb dieses Textabschnitts bescheinigen den Dollnsteinern nun vielleicht nicht die besten Grammatikkenntnisse aber auf jeden Fall einen guten Schuss Humor.

Ich habe fertig Dollnstein

Und bevor mir die Dollnsteiner jetzt sauer sind: Ich meins nicht böse, ich verschreib mich selber oft genug Zwinkerndes Smiley und ich weiß auch, von wem der Satz auf dem Bus ist Zwinkerndes Smiley.

Noch eine Anekdote: Als ich mit Idefix vor dem Edeka auf Anna wartete, sprach mich eine ältere Frau auf unser Hündchen an.
Sie: “Früher hab ich ja auch ganz viele Viecher gehabt.”
Ich: “Aja, und warum jetzt nicht mehr?”
Sie: “Die haben sie mir alle erschossen!”
Ich: “Hmmpf….”
Irgendwie kam das Gespräch dann nicht mehr so recht in Gang, glücklicherweise kam die Anna dann wieder raus Zwinkerndes Smiley

Station 2 (auf dem Weg nach Breitenfurt):

Müder Hund

Kurz vor Breitenfurt machte der Idefix schlapp und machte einfach ganz plötzlich ein ortwörtlich ausgedehntes Päuschen.

Nur mit einem Leckerlie und einer weiteren Schüsselladung Wasser ließ er sich zur Fortsetzung des unerwartet langen Gassi-Gangs überreden.

 

 

 

 

 

 

Nasser Hund

Auch wenn er auf dem Bild nicht allzu überzeugt guckt, so zeigte er sich doch dankbar für das kühle Nass zwischendurch und stürzte sich bis zu 4 cm tief in die aufgrund des mehrtägigen Dauerregens ziemlich angeschwollene Altmühl.

Wasserfrosch

Bevor wir unsere Schuhe wieder anzogen und das Stück vor zum Freibadeingang gingen, versuchte ich noch, diesen glitschigen Gesellen einzufangen. Ohne Kescher ging das aber ziemlich schwierig, weswegen ich ihn dann doch nur mit der Kamera einfing.

Station 3 (wieder nach hause):

Käfersex Der lange Aufstieg zurück auf den Berg wurde mit dem Anblick einer Marien-käfer-Unzucht belohnt. Mich verwirrt dabei ein wenig die verschiedene Punktanzahl der Beteiligten. Muss sich wohl um einen Akt der Hybridisierung handeln.

Carabus auratus

Auch dieser stattliche, etwa drei Zentimeter messende Kerl belohnte unser (oder zumindest meine) Mühen. Es handelt sich um einen Goldlaufkäfer. Eine Studie aus dem Jahr 2011 von den französischen INRA und BBSRC besagt, dass der Goldlaufkäfer wirksam Unkräuter in Schach hält und sollte daher unbedingt als Nützling gefördert werden.

Das war es auch mit unserer Wanderung. Ihr konntet nun ein wenig daran Teil haben. Ich hoffe, euch hat das Lesen auch ein wenig Spaß gemacht so wie uns unsere kleine Reise nach nebenan.

Liebe Grüße

Euer Tinschen

PS: Der Rest von Helgoland und meinem FÖJ-Jahr kommt hoffentlich bald. In letzter Zeit gab es so unheimlich viel zu tun, dass ich gar nicht mehr zur Ruhe komme um etwas niederzuschreiben – erschwerend hinzu kam dann vor zwei Wochen auch noch ein Ausfall meines Netbookladekabels. Ich tu mein Bestes!

Montag, 27. Mai 2013

Mahlzeit mit einer Katze

Wir sitzen beide auf dem Bett. In meiner Hand ein Teller. In dem Teller: Absolut nichts was einer Katze schmecken könnte. Nicht einmal der Geruch kann so anziehend sein, dass sie mir so auf die Pelle rückt. Ich lasse es auf einen Versuch ankommen und werfe ihr ein kleines Stück Fleisch, das ich von scharfen Gewürzen vorher freilutsche, herunter. Sie springt hinterher. Schnuppert. Dreht sich ohne weitere Probierversuche um, springt wieder zu mir aufs Bett und platziert sich neben dem Teller. Das Gemüse und den Reis kann sie auch nicht allzu attraktiv finden. Wer weiß, sie ist alt, vielleicht will sie ja milden Reis. Ihr werfe ein bisschen von dem reinen Reis wieder herunter. Sie schaut nur hinterher, bleibt aber ansonsten bewegungslos sitzen und guckt sofort wieder mich an. Nun gut. Ich esse weiter. Sie springt auf den Boden und probiert es doch nochmal. Schnuppern. Tatsächlich kurz reinbeißen. Dann lässt sie es doch wieder liegen, springt zu mir herauf und wird wieder aufdringlich. Was soll’s. Sie wird sowieso nichts anrühren, ich lasse den Teller herunter, so dass sie hineinsehen kann. Sie tut es, schnuppert, zieht dann desinteressiert die Schnauze wieder aus dem Teller, ohne probiert zu haben. Jetzt sollte Ruhe sein im Karton.
Weit gefehlt. Ein, zwei Bissen später fängt es erneut an. Die Katze muss wohl denken, ich hätte ihr beim letzten Mal die guten Stücke vorenthalten und äße nun außerhalb ihres Blickfelds wieder das gute Zeug. Ich halte ihr das Essen erneut unter die Nase. Missbilligung. Ein, zwei Bissen später erneute Aufdringlichkeiten. Katze! Denkst du, ich kann zaubern und machen bei jedem Bissen etwas neues in den Teller? Ich esse jetzt nur noch von so weit unten, dass sie mitverfolgen kann, dass das Essen sich nicht verändert, während ich es verspeise. Das hilft ein wenig. Ich bin fertig. Ich stelle den Teller erst einmal neben mich auf den Boden und lege das Stück Fleisch und das Stück Fleisch wieder hinein. Die Katze hinterher, Schnauze hin, vielleicht leckt sie kurz am Porzellan entlang. Nein, schmeckt immer noch nicht besser. Sie nimmt ihr Schicksal an und beschäftigt sich anderweitig.
Eine Viertelstunde später beschließt sie, dass sie das Zimmer verlassen will, scharrt mit der Pfote an der Tür. Ich springe nicht sofort, also beginnt sie zu randalieren. Sie findet in der Ecke eine alte Geschenktüte vom letzten Weihnachten, schlüpft hinein und kämpft gegen den Tütenboden. Ich stehe endlich auf, gehe zur Tür und mache sie auf. Die Tüte ist interessanter als die Tür, aus der sie eben noch verschwinden wollte. Ich mache mit Klopfen auf mich aufmerksam. Sie kommt aus der Tüte und sieht mich vorwurfsvoll an, weshalb ich so einen Lärm mache. Dann fällt ihr wieder ein, dass sie eben noch raus wollte. Auf dem Weg hinaus, macht sie einen Bogen zum Teller. Vielleicht schmeckt ihr der Inhalt ja jetzt. Nein, immer noch derselbe Fraß.
Und während ich genervt, die Tür aufhaltend, zusehe, dreht sie wieder um, hüpft aufs Bett, mümmelt sich in die Decke und schläft schnurrend ein.

Katze, du Clown!

Freitag, 19. April 2013

Exkursion nach Wilhelmshaven & Helgoland: 6. April

Um Punkt acht Uhr morgens traf man sich zum Frühstück am Speisesaal der Jugendherberge. Ich genehmigte mir zwei Scheiben Vollkornbrot mit Leberwurst und Cervelatwurst und eine Schüssel Joghurt mit Müsli (in dieser Konzentration: 80% zu 20%) sowie das rätselhafte rote Getränk aus dem Automaten.

Tote Mannshand - Tentakel

Danach ging es erst einmal zurück ins Labor, wo ich u.a. die Moostierchenkolonie, die ich euch schon am 5. April-Eintrag gezeigt habe, mit einem guten Bestimmungsbuch durchbestimmte. Bis ich am Ende bei der Art ankam, habe ich etwa eine Stunde dafür gebraucht, zwischen den einzelnen Stationen des englischen Bestimmungsschlüssels die Fachbegriffe zu googeln.

Eine kleine Kostprobe:

Loch (je nach Zweck ein anderes Wort) orifice, aperture, spiramina
Erhebung (in verschiedenen Ausprägungen) umbo, denticle
winzig, gering minute, marginal
verdecken (in ganz schlau) to obscure
herausragen (in ganz schlau) to project

Insgesamt schloss ich auch meine “Forschungsarbeit” an dem Bewuchs auf meiner Muschel (die ich aber nicht mehr gut bestimmen konnte, viel zu fragmentartig erhalten) ab und präsentiere euch nun meinen Hefteintrag:

Hefteintrag Muschelbewuchs

Nachmittags gingen wir dann endlich ins Felswatt. Vor zwei Jahren waren wir kurz nach einer Sturmflut auf die Insel gekommen, so dass der Weg bis zur Langen Anna von bis zu 1m hohen Algenbergen erschwert war. Auf dem Weg gibt es einige Stellen, wo einzelne, bis zu 1m hohe Steine herumliegen und es zwischendurch abwärts, wieder auf Strand-Niveau ging. Damals kam es also öfter vor, dass man keine Ahnung hatte, wohin man gerade seine Fuß setzt und –Schwupps -- man stand bis zu den Hüften in gammeligen Algen. Uns ist das zwar zum Glück nicht passiert, aber ich konnte das bei einer uns vorauslaufenden Gruppe einmal beobachten.

Helgoland Nordstrand April 2011

Im Bild oben seht Ihr, wie es am Nordstrand der Hauptinsel vor zwei Jahren aussah. Die Algen lagen wirklich teilweise über einen Meter hoch aufeinander und es stank bestialisch nach Schwefel-Wasserstoff-Gas (Das manche Algen als Fraßschutz anlagern).

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Jahr war der Weg zur Langen Anna ein Spaziergang, erst recht mit hohen Gummistiefeln und einer Wathose. Sicher sorgten die mit Grünalgen überzogenen Steine oder die Blasentang-Rasen immer noch hin und wieder für eine Rutschpartie, aber alles in allem war alles easy.

Das Thema im Felswatt heute sollten eigentlich Algen sein. Denn mit diesen sollten wir wieder Algenherbare herstellen und diese brauchen ein wenig Zeit. Sie müssen nämlich ein wenig anders als Landpflanzen gepresst und getrocknet werden.

Aus dem Plan wurde aber nichts oder nicht viel, denn uns erwartete am Strand eine andere Attraktion:

Drei Tote Seehunde. Ein noch gut erhaltener direkt in den Algen-Gezeitentümpeln, die anderen zwei hatten sich noch den trockenen Hügel zu den Felsklippen hochgeschleppt, bevor sie den Löffel abgaben. Denen hatten die Möwen auch schon recht eindrucksvoll die Augen ausgehackt.

IMG_0748 Seehund Forke klein

Da es illegal ist, sich an toten Seehunden und Kegelrobben zu vergehen, vermaßen wir den gut erhaltenen Seehund nur mithilfe unserer Forke und ließen ihn dann für die Möwen liegen Zwinkerndes Smiley.

Mithilfe von etwas natürlich abbaubaren Carminrot aus echten Läusen machten wir dann noch einige Färbeversuche mit den Gezeitentümpeln, um zu beweisen, dass das Wasser bei Ebbe abfließt.

Sobald die Flut wieder einsetzte, packten wir wieder zusammen, gingen zurück zum Labor und fanden anschließend in der Jugendherberge ausgezeichnete Rouladen vor – ich hätte nicht gedacht, dass die überhaupt irgendjemand mal so hinbekommen kann, dass sie mir schmecken.

Abends gingen wir dann wieder hinauf zum Vogelfelsen und beobachteten neben Basstölpeln, Trottellummen, Dreizehenmöwen und Eissturmvögeln auch einen wunderschönen Sonnenuntergang. Ich hinterlasse euch mal ein paar meiner schönsten Aufnahmen von diesem Abend:

Oberland mit Düne

Helgoland abends

Westmole und Leuchtturm

Lange Anna bei Sonnenuntergang

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Labor ging ich total fertig ins Bett.

Es ist der 19. April, meine erste Woche Arbeit nach Helgoland ist rum. Ich habe seit dem letzten Blog Laichschnüre von der Erd- oder Wechselkröte, Wasserfrösche samt Laichballen und Bergmolche gefunden. Zuhause, fern vom Meer gibt es zum Glück doch auch immer wieder etwas zu entdecken.

Euer Tinschen

Dienstag, 16. April 2013

Exkursion nach Wilhelmshaven&Helgoland: 5. April

IMG_0700 Koffer

Nach einem ausgiebigen, wie schon in Kroatien schief beäugten Spaghetti-Bolognese-Frühstück erwartete ich freudig die Rückkehr auf die tollste Insel wo gibt. Auf der Fahrt nach Cuxhaven zur Alten Liebe (Der Fährhafen, von wo aus man nach Helgoland kommt) zeigte sich mal wieder, dass Navis das natürliche menschliche Orientierungsvermögen komplett ausschalten können. Trotz meiner Bekräftigungen, dass wir richtig sind und das Schild zur alten Liebe in wenigen Metern auftauchen würde, verweilten wir wegen dem Navi einigen Minuten auf einem Netto-Parkplatz. Wenn ich einmal wo war, weiß ich wo es hingeht (und bevor ich an einen neuen Ort komme, schaue ich mir in der Regel eine Karte an) und wurde auch bei der Weiterfahrt bestätigt dass es in Cuxhaven immer noch an der selben Stelle einen McDonalds gibt und kurz darauf die Alte Liebe ausgeschildert ist.

Christina Staudigl

Angekommen, schleppten wir unser Gepäck in die “Funny girl” und besetzten uns einige bequeme Sitzbänke unter Deck. Als die Fähre den Hafen verließ, beobachteten wir draußen, wie wie Cuxhaven hinter uns ließen.

Mit etwas Gegenwind und leicht flauen Mägen erreichten wir nach 2 Stunden endlich Helgoland. Es hatte sich bis auf die Baustellen im Hafen nichts verändert. Nur der Insel-Schlecker hatte in den letzten zwei Jahren eine Metamorphose zu einer “Edeka-Drogerie” durchgemacht.

Schlecker Helgoland

Außerdem hatte es tatsächlich auch Helgoland geschneit. Vor zwei Jahren hatte man uns erzählt, das wäre seit Ewigkeiten nicht mehr passiert. Jetzt schien es irgendwie total normal, keiner hat je was dazu gesagt.

Schnee auf Helgoland

Ostsicht aufs Oberland

Bevor es nach einem Zwischenaufenthalt im Labor tatsächlich an die Binos (Stereomikroskop mit vergleichsweise schwacher Vergrößerung) ging, bezogen wir noch eben oberflächlich unsere Zimmer. Leider konnte ich wegen Aufteilungsproblemen jetzt nicht mehr mit Tobi zusammen im Zimmer sein. Ich teilte nun ein Zweierzimmer mit unserer brasilianischen Austauschstudentin. Kaum hatten wir ein wenig in dem hellen, freundlichen Zimmer ausgepackt, mussten wir schon wieder einpacken.

Das andere Zweierzimmer nämlich war viel komfortabler. Mit eigenem Bad, Bullaugenfenstern in den “Kojen”, ohne nerviges Tageslicht und ganz besonders luxuriös: Keine extra Schallabgrenzung zum Gang, so dass man bei der Party draußen immer voll dabei ist. Besonders toll fand ich auch, dass mein Schrank zugesperrt war. Was man nicht alles für einen glücklichen Wolfgang tut. Der bezeichnete unser Zimmer den Rest der Exkursion auch liebevoll als “der Wandschrank”.  Aber nein, so schlimm fand ich das Zimmer nicht. So ein eigenes Bad hatte wirklich was für sich. Und wir waren direkt gegenüber von Tobis Zimmer.

Muschelschale mit Bewuchs

Endlich ging es ins Labor, wo wir uns über einen frischen Trätschen-Fang voll bewachsenen Nordseeuntergrunds hermachten. Ich nahm mir eine Muschelschale mit einem Bewuchs von Tote Mannshand, Dreikantwürmern, Seepocken und krustigen Moostierchen. Bis zum nächsten Tag sollte ich alles einmal abgezeichnet haben. Den Hefteintrag habe ich aber noch nicht abfotographiert, daher kommt Ihr in den Genuss meiner Binobilder:

Tote Mannshand

Escherella immersa

Zu Abend aßen wir ab sofort in der Jugendherberge. Wie zu erwarten, war das nicht gerade ein Hochgenuss. Was genau es nochmal am ersten Abend gab, habe ich verdrängt. Eventuell war es so etwas ähnliches wie Gulasch.

Nach dem Essen kamen wir wieder zurück ins Labor und hörten uns einen Vortrag an. Der ein oder andere blieb danach noch im Labor um seinen eigenen Vortrag vorzubereiten oder weil ihn der Trätschen-Fang so begeisterte.

Als ich ins Bett ging, schmückte ich noch mein Bullauge mit Tobis Kuschelrobbe Robbie. Dann schlief ich relativ gut ein.

Es ist der 16. April, mein zweiter Arbeitstag, seit ich wieder zurück bin. Gestern hatte ich noch eine richtige Helgoland-Depression. Das gab sich aber wieder, als ich nachmittags in unserem “Moorauge” Köcherfliegenlarven auf dem Tümpelgrund entlangkrabbeln sah. Ich muss mir demnächst ein schönes Plastik-Aquarium zulegen, irgendwo pH-Streifen klauen und mir vielleicht ein Bino aus dem Tierhaus ausleihen…

Euer Tinschen.

Sonntag, 14. April 2013

Exkursion nach Wilhelmshaven&Helgoland: 4. April

Nordseefische

Am 4. April besuchten wir eines der Schülerlabore des Museums Nationalpark Wattenmeer. Dort konnten wir unsere Fänge vom Vortag noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Das Labor war sehr zweckmäßig eingerichtet und in einzelne Stationen zu verschiedenen Themen eingeteilt. In der Museumsführung zwei Tage zuvor wurde uns bereits erklärt, dass dieses Labor magische Kräfte besitzt: Selbst die lautesten, undiszipliniertesten Schulklassen sollten hier in Ehrfurcht erstarren und sich in Lämmchen verwandeln und andächtig der Wissenschaft frönen.

Unsere glücklicherweise sehr gut zusammengestellte Studententruppe gehörte nun nicht unbedingt in diesen Typus. Aber auch bei uns stellte sich dieser Effekt ein. Allerdings fühlte sich der ein oder andere von den Arbeitsblättern etwas verapfelt, weil diese z.B. mit “Finde den Fehler” auf Anatomiezeichnungen den Zweck der Kinderbildung zu sehr offenbarten. Mich störte das allerdings nicht. Eines dieser Bildchen analysierte ich mit einer Kommilitonin sogar mit größtem Eifer. Den letzten Fehler haben wir leider trotzdem nicht entdeckt Zwinkerndes Smiley.

Leider schaffte keine der Gruppen alle Stationen, es waren einfach zu viele und man wollte sich ja auch ausgiebig damit beschäftigen und nicht nur durchhudeln. So kam es dazu, dass ich am Ende notdürftig alle Infoblätter zusammenfotographierte, um wenigsten später noch ein wenig davon zu haben.

Komische Vögel am Deich

Nachmittags bei Ebbe packte Manfred vier von uns Vogel-interessierten in den Bus und beförderte uns zum Schutzdeich des Südstrands von Wilhelmshaven. Zuvor hatten wir schon eine Einladung in sein Zimmer bekommen, von wo aus wir durch sein Stativ-Fernglas lugen konnten, was da außerhalb der Reichweite unserer Augen auf den Wattflächen los war.

An der Stelle, wo wir auf den Deich kletterten befanden wir uns dann um einiges näher. Tobi vergaß nur wundersamerweise seine Kamera samt Teleobjektiv. So konnte ich nur die Aktion dokumentieren.

Abends packten wir um. Am nächsten Morgen würden wir endlich nach Helgoland aufbrechen. Glücklicherweise brauchten wir nicht alles mitnehmen, unserer Zimmer in Wilhelmshaven würden die nächsten 10 Tage nicht an andere Leute vermietet und so konnten wir alles hier lassen, was wir nicht benötigen würden.

Zum Abendessen war Spaghetti Bolognese, Salat und Gemüse geplant. Gleichzeitig mussten auch die Reste der Vortage vernichtet werden. So wurden aus den restlichen Kartoffeln noch einmal Bratkartoffeln. Ich gehörte dieses Mal nicht zum Küchenteam, stellte mich aber freiwillig zur Verfügung. Irgendwie wurde ich dann zum Bolognese-Koch. Das Ergebnis mundete wohl allen Nicht-Vegetariern. Irgendwie habe ich sie auch total Gesellschaftskonform hinbekommen, 100% so, wie man sich diese Soße vorstellt. Zuhause hätte ich da noch jede Menge Zimt und Chillies hinein gehauen. Aber bei so großen Gruppen und dem Hintergrundgedanken, dass am nächsten Tag so wenig wie möglich weggeschmissen werden muss, unterließ ich dies.

Es ist jetzt der 13. April. Ich sitze auf dem Beifahrersitz neben Tobi auf dem Weg nach Hause, neben uns fliegt die Ausfahrt nach Dortmund und Hannover vorbei. Tobi hat gerade Marsimoto aufgelegt. Internet hab ich jetzt keins. Aber ich speicher mal ab.

Montag wieder Arbeit und ich hab garkeine Seesterne konserviert. Naja. Fänden die Kiddies wohl auch eher ekelig Zwinkerndes Smiley

Euer Tinschen!

Donnerstag, 11. April 2013

Exkursion nach Wilhelmshaven&Helgoland: 3. April

Sonnenaufgang RippelwolkenLeuchtturm Jadebusen

Am Morgen, noch vor Sonnenuntergang schloss ich mich unseren “Birdern” (Vogelvollfreaks) an, die entlang des Deichs nach neuen Vögeln Ausschau halten wollten.

IMG_0646 Möwen auf der StangeLiebesbeweise

Neben den obligatorischen Möwen, Krähen, Steinwälzern und Austernfischern entdeckten wir noch einige Stockenten und auch, frisch nach Ostern, ein Kaninchen samt Bau. Links seht ihr ein weiteres interessantes Phänomen: Silbermöwen, die wie ein Kunstwerk auf hintereinander angeordneten Balken dem Sonnenaufgang hinterhersehen.

IMG_0091 Hefteintrag Watt 1

Hier seht ihr meine Hefteinträge zum Vortrag des Vortages.

IMG_0092 Hefteintrag Watt 2

Am Nachmittag gingen wir nämlich noch einmal zum Museum, weil wir dort eine Wattwanderung bekommen sollten. Leider gingen wir nicht, wie man sich sowas vorstellt, weite Strecken über trockengefallenen Sand und Schlick. Wir blieben relativ nahe am Deich – viel weiter wären wir von unserer “Einstiegstelle” auch nicht gekommen. Dafür durften wir aber ein paar auf Schulklassen verschiedener Schularten zurechtgeschnittene Experimente machen.

Professionelles Planktonfischen Wir führten diverse Messungen durch, z.B. die Wassertemperatur und die Windgeschwindigkeit. Wir hielten Ausschau nach Schweinswalen. Wir fingen ein paar Garnelen, Plattfische und Plankton. Natürlich gruben wir auch einige der sagenumwobenen Wattwürmern aus. Danach ging es wieder zurück “nach Hause”.

Wir hatten vormittags von der Hafenmauer ein paar Proben genommen und untersuchten sie abends im Labor.

IMG_0675 Polychätenmix

Auf einem größeren Tunikaten fand ich eine hübsche Kolonie aus kleineren Tunikaten, die mir dadurch auffiel, dass sie blau schimmerten. Ein genauerer Blick und eine Nachfrage bei Wolfgang offenbarte, dass diese Tierchen sich kleine blaue und weiße Plättchen in den Mantel eingelagert hatten. Speziell bei den weißen handelt es sich auf jeden Fall um kleine Kristalle. Bei den blauen wahrscheinlich auch, vielleicht sind es aber auch Pigmente.

IMG_0683

Auf dem großen Tunikat befanden sich auch noch eine kleine Bryozoen-Kolonie (das Video davon kann ich mit meinen aktuellen Mitteln leider noch nicht bearbeiten und hochladen) und ein paar Glockentierchen. Hier meine Aufzeichnung dazu Smiley:

IMG_0093 Hefteintrag Tunikatenbewuchs (2)

Zu Abend grillten die neu ernannten Kombüsen-Chefs Nürnberger Würstchen und dazu gab es ausgezeichneten Kartoffel- und Feldsalat. Ich bekam sogar extra welchen ohne Mais.

Zum Einschlafen blätterte ich diverse Bücher und Heftchen durch, die etwas mit meinem erst jetzt gewählten Vortragsthema “Halophile Pflanzengesellschaften Helgolands” zu tun haben sollten (im Nachhinein: Nur eines brachte mir überhaupt etwas extra Information Zwinkerndes Smiley ).

Es ist der 11. April 2013. Dicker Nebel liegt über der Insel. Morgen geht es zurück nach Wilhelmshaven.

Euer Tinschen