Dienstag, 8. Oktober 2013

Liebes Tagebuch…

Nach einer viel zu kurzen Nacht stehen ich und Tobi um sechs Uhr in Herzogenaurach auf und machen uns auf den Weg nach Fürth, wo meine sieben Sachen darauf warten, in den Twingo gepackt zu werden - darunter auch Felix und Robbie. Tobi ist dagegen, dass die beiden auf dem Armaturenbrett mitfahren. Die machen da nur Quatsch und lenken mich vom Fahren ab, sagt er. Gegen halb acht kommen wir endlich von der Stelle. Ich bin todmüde, das Wetter ist trüb und regnerisch. Die Beladung merkt man dem kleinen Auto deutlich an. Viel mehr als 120 km/h kann ich nicht wirklich fahren und wenn es bergauf geht, geht die Tempoanzeige bergab. Gegen zehn Uhr fahren ich von der Autobahn, um noch einmal für zwanzig Euro nachzutanken. Die Fahrt davor habe ich schon immer wieder mit dem Schlaf kämpfen müssen. Gerne würde ich einen Fahrerwechsel machen, aber das geht nicht. Tobis Brille ist kaputt. Etwas mehr als eine Stunde Fahrt liegt noch vor uns und irgendwie schaffe ich bis zur neuen Wohnung. IMG_6094mittlerweile hängt das PosterPapa ist schon da und quatscht mit Phillip, meinem Vormieter. Ohne Pause geht es jetzt weiter, Phillip hilft mit. Der Inhalt der Hänger und Autos muss nach oben in den vierten Stock. Am schwersten ist der Schreibtisch von meinem Großonkel. Als Papa und Tobi den nach oben geschafft haben, ist erst einmal eine Pause angesagt. Sie packen “Kiachal” aus, die Mama am Vortag ausgebacken hatte. Alle außer mir greifen zu, ich gehe wieder hinunter und schleppe ein paar mehr von meinen sieben Sachen hinauf. Irgendwann steht alles oben, das Bett ist aufgebaut. Nach einigen Diskussionen stehen auch die Regale in fester Anordnung. Phillip zeigt uns seinen Lieblingsdönerladen direkt an der Heide, dem Stadtpark von Halle. Dabei führt er uns ein wenig im Kreis herum, damit ich sehe, wo die nächsten Einkaufsmöglichkeiten sind, am Tulpenbrunnen (mit viel Phantasie als solcher erkennbar). Zurück geht es auf direkterem Weg. Es ist langsam Zeit für Papa und Tobi, wieder aufzubrechen. Ich verzweifle an der Entscheidung, ob ich Tobi Felix oder Robbie mit nach Hause geben soll. Tobi meint, Felix müsse unbedingt bei mir bleiben. Oben in meinem Zimmer voller noch gepackter Taschen verabschieden wir uns voneinander, meinerseits unter Tränen. Auch als Tobi schon weg ist, ist es schwer, die Fassung bei gewissen Gedanken zu bewahren. Ich fühle mich so alleine.
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Zur Ablenkung packe ich meinen Kram aus und dann an seinen neuen Platz. Ich habe einfach viel zu viele Klamotten. Und kaum etwas davon habe ich wirklich selbst gekauft. Mama meint es immer viel zu gut wenn sie einkaufen geht. Damit ich das ganze Zeug überhaupt unterbekomme, wird alles möglichst platzsparend zusammengerollt und in Kisten gepackt oder rigoros aussortiert. Alles, was irgendwie ein bisschen lädiert ist oder von dem ich mich nicht erinnern kann, dass ich es je mit Freude getragen habe, wandert in eine der Taschen zurück. Am Ende ist sie voll, genauso wie meine Regale. Langsam kriege ich einen Koller von der Auspackerei. Als hätte er es gerochen, erscheint Phillip an der Tür und bietet mir einen Tee an. Ich nehme das Angebot gerne an. Wir quatschen mindestens eine Stunde über Gott und die Welt, das Gefühl der Einsamkeit schwindet – mit dem bitteren Nachgeschmack, dass Phillip ja leider auch nur noch bis Dienstag hier ist. Eine weitere Stunde später ist mein Zimmer fertig, nur Poster (v.a. das, was mir meine Freunde, die ich jetzt schon so schmerzlich vermisse, bei meiner Abschiedsfeier überreicht haben) kann ich noch nicht aufhängen. An jegliche klebenden Utensilien habe ich beim Packen nicht gedacht. IMG_6096
Gegen sechs hocke ich mich zu Phillip ins Wohnzimmer, wir gucken Simpsons. Es wird aber viel weniger geguckt als gequatscht. Mit den Resten aus seinem Kühlschrank zaubert er eine Gemüsepfanne für uns zwei, dazu reicht er Likör 47 mit Milch. Während nebenbei Captain America läuft wird dieser Schlummertrunk noch zweimal nachgefüllt. Nach dem Film zappen wir ergebnislos umher, kommen auf unsere Lieblingscomiker und ich auf Louis CK. Das Programm “Chewed up” raubt Phillip vielleicht später den Schlaf, zu viel albtraumhaftes Kopfkino weiß er hervorzurufen. Ich weihe mein Bett ein. Vor dem Einschlafen spiele ich noch eine Runde Tropico.

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