Sonntag, 24. Mai 2015

Helgoland Exkursion 2015, Inseltag 1

26. März, 4:30 Uhr
Wieder klingelt der Wecker, während ich mich in einer Tiefschlafphase befinde. Jule piekst mich wach.
Im Gemeinschaftsraum gesellen sich Sarah und Sandra zu uns. Ein sehr kleines Frühstück aus Tee und evtl. einer Banane und auf geht’s zum Vogelfelsen. Dort haben wir jetzt auch genug Zeit, um diverse Verhaltensmuster zu beobachten wie die Anlieferung von Nistmaterial – bei Wind noch lustiger – und anschließendes Begrüßungs-Schnäbeln.

Basstölpel schnäbeln

Wir vergleichen die Nistplätze aus unserem Erinnerungsschatz von 2013 (bzw. 2011) und heute und finden: Die Lummen wurden noch mehr von den Basstölpeln verdrängt als das schon vor 2 oder 4 Jahren der Fall war. Mittlerweile sind 70% des Lummenfelsens nicht mehr von Lummen sondern von Basstölpeln besetzt. Als wäre das nicht schlimm genug für die Lummen, entdecken wir auch noch, dass ein ordentliches Stück von der Flanke abgebrochen ist. An manchen Vorsprüngen, wo die früher Pinguin-genannten Vögel sich jetzt hinquetschen müssen, kann man sich nicht mehr vorstellen, wie sie dort noch brüten sollen. Die extrem ovale Form des Trottellummen-Eis hin oder her – irgendwann ist ein Untergrund doch zu steil um dort noch ein Ei halten zu können.


Mehr Tölpel- als Lummenfelsen

Um 6:30 Uhr verlassen Jule, Ferdi und ich das Oberland, denn wir und Dani sind für heute auserwählte Angehörige der tollkühnen Crew der Aade. Wir schmeißen uns in Schale mit Gummistiefeln/Wathosen und Schwimmwesten und watscheln zum Anleger. Dort erwartet uns zu allererst wieder der Norbert aus dem fränkischen Eckental vor der eben eingelaufenen Atlantis und hält erst uns und dann auch noch die Besatzung der Aade mit seinen munteren Schwätzchen auf.

Endlich soll es aber doch losgehen. Dafür müssen wir erst einmal eine verdächtig rostige Leiter hinunterklettern auf die Schiffskante. Durch die Wathose beschränkt kann ich mich nicht genug verbiegen um auf den tatsächlichen Grund der Aade zu klettern. So greife ich nach einer Stange am Steuerhaus-Dach und baumle einige Sekunden total professionell in der Luft, bis ich mich traue die noch übrigen 15 cm herunterzufallen.

Eissturmvogel

Das Wetter ist eigentlich zu gut, kaum Wind, kaum Wellen. Man hätte doch seine Optik mitnehmen können (hätte – haben aber nicht. Keine Fotos). Irgendwann werden trotzdem meine Augen müde vom den Horizont anstarren und ich werde wieder seekrank. Im Kollektiv haben wir trotzdem beobachtet (außer dem täglichen Geschäft des Plankton-Fangens): Silbermöwen, Kormorane, Eiderenten, Basstölpel (leider nicht jagend), etwas gänseartiges in V-Formation.

Im Gespräch mit dem Kapitän offenbart sich: Dieser erkennt Ferdi ob seines einprägsamen quietschorangen Outfits wieder. Er erinnert sogar noch an so einen langhaarigen Kerl der ihn mit Fragen förmlich gelöchert hat. Ich setzte mich schließlich ins Steuerhaus und mache die Augen zu. Dann rutsche ich auf einem rosa Wölkchen auf und ab und die Seekrankheit kann mich mal am Popo.

Basstölpel im Gleitflug

Als wir wieder am Anleger vorm Labor ankommen, bin ich die einzige die froh drum ist. Die anderen würden gerne weiterfahren, aber irgendwer muss ja das Plankton zum Labor bringen. Leider hat uns niemand gesagt, dass wir davon gar nichts abbekommen und daher zwacken wir uns davon auch nichts für unser Labor ab.

Uns steht der Sinn im Moment nämlich mehr nach Fischbrötchen. Gierig laufen wir zur Fischbude. Aber leider hat die noch zu. Doof.
Gut, dann essen wir eben normales Frühstück im Gästehaus. Die anderen sind schon längst los zum Watt, wir haben also Zeit.

Erst einen Tag zuvor hatten wir im Plenum beschlossen, dass wir jeden Tag für jeden zwei Brötchen fürs Frühstück bestellen. Als wir in die Küche kommen stellen wir fest: Die gefräßige Meute hat sich alle 8 Brötchen, die für uns gedacht waren gleich miteinverleibt. Die könnten ja schlecht werden in den 2 Stunden. Sehr zuvorkommend.
Zum Glück finden wir noch etwas Brot, Toast, Marmelade und Weichkäse, hin und wieder in Kombination genossen.

Windrose weggebrochen

Während ich für 15-30 min im Zimmer verschwinde und mich flachlege, werden Ferdi und Maria verlobt, ihre Hochzeit auf Helgoland geplant und ausgerechnet ich als Fotograph gebucht. Das Leben ist wohl, was passiert, während man ein Nickerchen macht.
Gegen 11:00 erscheint uns der immer noch schwer mit seiner Grippe kämpfende Wolfgang in Bademantel mit viel Fieberschweiß auf der Stirn. Doofes Virengesocks! Gehört sich eingesperrt! Grippe auf Helgoland, total überflüssig!

Da die anderen noch immer im Felswatt umherschlurfen, gehen wir nochmal zur Fischbude und schlürfen dort Kräutermatjes, Fischfrikadellen, Bismarckhering und Garnelen in Mayonaise mit brötlicher Unterstützung ein. Wieder im Labor widmen wir uns dem dortigen Viechzeug oder in meinem Fall der Geologie und –graphie Helgolands bis der Rest wieder eintrifft. Damit möchte ich eigentlich fortfahren, gerade auch weil ich gnatschig bin, weil wir keine Zeit mehr hatten, Marabou-Salzlakritz-Schokolade einzukaufen.
Aber der gewattete Rest ist jetzt natürlich auch hungrig und deckt zu Mittag auf. Jule zwingt mich zum sozialisieren. Ich esse nichts. Aber immerhin entgeht mir so nicht Wolfgangs Geschichte vom Käsekauf in Wilhelmshaven. Dort hatte er auf dem Markt bei einem Käsehändler eine äußerst bunte Sammlung an Käsen erstanden, vom Händler auch sehr viel gelernt… aber auch schon wieder alles vergessen.

Die Mädels

Nach dem Mittagessen bekommen wir noch einmal Freizeit, um den Vogelfelsen zu erkunden. Jule und ich geben jedem der es hören will (v.a. Christie klebt uns förmlich an den Lippen) ein ausführliches Briefing über alles was man da oben so sehen kann – vom Vogel über Bombenkrater bis zu Schafen die über die Klippe stürzen. Wie ein solches Unglück ungefähr seinen Lauf nimmt, können wir sogar live beobachten (siehe Video) Auf dem Rückweg gehen wir noch im Duty-free-Shop vorbei und erstehen größere Mengen der bereits erwähnten göttlichen Schokolade.

Zurück im Labor versuche ich mich an einer Bryozoe, aber, es hört einfach nicht auf, kurz vorm Durchbruch ist schon wieder Essenszeit. Ab zur Jugendherberge, wo uns Frikadellen mit Kartoffelstampf und Ketchup erwarten. Wolfgang sieht unverändert schlecht aus, hat 38°C Fieber und wird von der ganzen Mannschaft wieder ins Bett komplimentiert.

Die letzte Etappe im Labor ist geprägt von der Diskussion, ob, wo und wie jetzt “Findet Nemo” angeguckt werden soll. Ingrid katalogisiert und bestimmt unermüdlich Algen am Schaumikroskop, Katha schaut schnulzige Filme und beteuert, die hätten was mit ihrer Hausaufgabe “Parzival” zu lesen zu tun und Jule kann es nicht mehr erwarten und öffnet die erste Packung Salzlakritzschoki. Ich bekomme was ab. Alles wieder gut.

Bett-nei: 23:00.

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